Wozu Theater?

Schultheater ist Idealismus pur: Man braucht eine Gruppe Schüler, die nachmittags, in den Ferien und am Wochenende Zeit für viele Extraaufgaben haben. Die freiwillig Texte lesen, welche entweder alt oder unverständlich oder beides sind. Und die obendrein motiviert, zuverlässig und ausdauernd sind. Das klingt nach einem Zustand totaler Überforderung

 

Wer einmal auf der Bühne gestanden und den – zugegeben: seltenen – Moment erlebt hat, in dem die eigene Rollenfigur zu leben beginnt, gestelzte Dialoge wie richtige Unterhaltungen klingen, sich die mühsam geprobten Einzelteile zu einem federleichten Ganzen fügen, der hat einen Augenblick lang große Kunst erlebt. Und für den stellt sich die Frage nach dem „Warum“ nicht mehr, für den gilt: Theater muss sein! Und zwar bedingungslos. Trotzdem: Ist das nicht alles viel zu viel verlangt? Vom Theater, von den Schülern, von der Schule? Selbst im professionellen Theater sieht der Alltag anders aus. 

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Theaterspielen bedeutet, loslassen zu können, sich auf fremde Situationen und andere Personen einzulassen, seine Grenzen kennenzulernen und zu überschreiten. Es bedeutet, Handlungsalternativen zu entdecken, die Angst vor dem Scheitern zu überwinden und mit neuer Sicherheit zu sich selbst zu finden. Es bedeutet, sich in einer Gruppe fallenlassen zu können und zu wissen, dass man aufgefangen wird. Wer einmal den langen Weg von der Stückauswahl bis zur Premiere durchgehalten hat – mit allen Zweifeln, allem Frust –, der hat viel gelernt. Zum Beispiel, wie Teamarbeit funktioniert, dass harte Arbeit Spaß machen kann, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. 

 

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Theater ist schön, auch wenn man die viele Arbeit nicht sieht, die dahintersteckt. Kein Zuschauer braucht zu wissen, wie oft Szene A geprobt worden ist, wie lange Figur 3 Flüstern geübt hat, wieso der Stuhl rechts auf der Bühne steht. Der Zuschauer will unterhalten werden und einen spannenden Abend erleben. Er freut sich über eine junge Schauspieltruppe mit Spielfreude und Leichtigkeit und lässt sich eine (alte) Geschichte (neu) erzählen. Oder, wie ein junger Zuschauer nach unserer Aufführung von Schillers „Räubern“ sagte: „Boa, wozu braucht man da noch Fernsehen?!“