2.2 Entwicklung des Reihenkonzeptes


Der Theater-Workshop des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, mit dem ich das Projekt durchgeführt habe, besteht aus 13 Schülerinnen und 2 Schülern aus den Jahrgangsstufen 8 bis 12. Die Proben finden immer Freitags von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr in der Aula der Schule statt.

Ich kenne die Gruppe seit Beginn meiner Referendarszeit im Februar 2000. Zu Beginn des Schuljahres 2000/2001 hat sich die Gruppe aber neu zusammengesetzt und zu den sieben „alten  Hasen“ sind noch acht neue Schüler hinzugekommen. Wir haben dann bis zum Herbst ein Stück gesucht und im März 2001 das Schauspiel „Leonce und Lena“ von Georg Büchner aufgeführt.

Angespornt durch den Erfolg der Aufführung entstand die Idee, die Zeit zwischen Oster- und Sommerferien für ein kleines, etwas anderes Theaterprojekt zu nutzen, bevor nach den Sommerferien das nächste Stück in Angriff genommen werden kann. Als neue Herausforderung sollte dieses Stück selbst „gebaut“ werden. Dabei sollte zum einen die Spielfähigkeit der Gruppe weiter verbessert, und zum anderen eine etwas andere Art der Theaterarbeit, nämlich die Entwicklung kleiner Szenen aus einer Improvisation heraus, vorgestellt werden. Zu dieser Zeit war das Projekt auf acht Wochen angesetzt. Da wir aber kurz darauf nach Duisburg zur Schulkulturwoche NRW eingeladen wurden, musste das Projekt auf vier Wochen verkürzt werden. Damit entfiel insbesondere die Möglichkeit, die Szenen bis zur Bühnenreife zu entwickeln. Da die Arbeit an dem Stück sehr zeitintensiv gewesen war, sollte die Teilnahme an diesem Projekt freiwillig sein. Bei der Vorstellung wurde das Konzept aber sehr interessiert aufgenommen, nur eine Schülerin wollte aus Zeitgründen nicht teilnehmen. Dieses Ergebnis zeigte deutlich, dass durch die Arbeit am Stück und besonders durch den Erfolg der Aufführung die Motivation für die Theaterarbeit auch unabhängig von einer Aufführung deutlich zugenommen hatte.

Meine Aufgabe im Führungsteam, das neben mir noch aus einer Lehrerin und einem weiteren Referendar bestand, war die Gestaltung des Theatertrainings und eines Großteils der Probenarbeit, da die bisherige Leiterin in dieser Zeit aus privaten Gründen oft verhindert war.

Zu Beginn des Schuljahres waren den Schülern viele Theaterübungen peinlich und sie spielten sehr vorsichtig, wenn auch bereitwillig. Je besser sich die Spieler jedoch kennenlernten, desto mehr ließen sie sich auf die Übungen ein. Die Schüler äußerten allerdings später, dass ihnen der Sinn der Übungen oft nicht klar gewesen sei (auch wenn sie daran Spaß hatten) und dass sie den Fortschritt zwar gemerkt hätten, aber es schön gewesen wäre, früher Erfolge zu erkennen oder das Gelernte anwenden zu können. Das Projekt sollte an diese Kritik anknüpfen.

Der Gruppenbildungsprozess war zum Zeitpunkt des Projektes weitgehend abgeschlossen. Insgesamt war während der Proben auf fachlicher und  persönlicher Ebene ein gutes Vertrauensverhältnis entstanden. Die Gruppe hatte untereinander die Angst, sich zu blamieren, verloren, und das Gruppenklima war sehr gut. Alle Spieler waren in die Gruppe integriert, auch wenn sich einzelne altersbedingte Untergruppen gebildet hatten.

Diese Situation ermöglichte es, auf eine Einführungsphase zu verzichten und auch fortgeschrittene Übungen gefahrlos einzusetzen.

Ausgehend vom Stand der Gruppe standen für das Projekt folgende Ziele im Vordergrund:

  • Vermittlung grundlegender Theatertechniken, insbesondere die Verbesserung des körperlichen Spiels und des Zusammenspiels zwischen den Spielern
  • Improvisationsübungen aus den Bereichen Material- und Bewegungstheater, um auf diese Weise die Entwicklung kleiner Szenen im Sinne einer Suche nach szenischem Material für ein Theaterstück einzuführen

 

Aus dieser Zielsetzung entwickelte sich unter Zuhilfenahme des THEATERBAUKASTENS die horizontale Struktur (Ablauf der Reihe) und die vertikale Struktur (Aufbau einer Stunde) der Reihe.